Pudelwohlblog

Trash-TV vom Feinsten

Mein Hund – Dein Hund

Ich sag’s ja: Hunde in der Glotze, das braucht kein Mensch (ich sowieso nicht). Aber Frauchen wollte ja – wie immer – nicht hören. Leider lässt sie nicht zu, dass ich diese Köter ein für allemal aus unserem Haus vertreibe. Und dann musste ich auch noch in meinem Korb bleiben. Sachen gibt’s…

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Schauen oder Nicht-schauen – das ist hier die Frage

„Mein Hund – Dein Hund“ ist eine neue Reihe im TV. Kommt samstags, 19:10 Uhr auf VOX (da, wo der „Hundeprofi“ gerade Pause macht)

Schon vor einiger Zeit hatte ich am Rande von diesem neuen Format mitbekommen, hielt es aber für eine Art „Hunde-Frauen-Tausch“ und hatte dementsprechend kein Interesse, mir das anzuschauen.

Beim routinemäßigen Blick in die Fernsehzeitung lese ich jedoch, dass in der heutigen (dritten) Folge ein „überzeugtes Zuchtfrauchen mit Pudelbegeisterung“ mitmacht. Hm. Das wären quasi ja schon zwei Gründe, mir das Ganze doch mal anzuschauen:

Erstens natürlich wegen der Pudel. Ich bin noch unsicher, aber vielleicht ist jetzt ja alles rund um diese Rasse Pflichtprogramm für mich als Neu-Pudel-Bloggerin. Und bevor ich dann was verpasst habe…

Zweitens interessiert mich schon auch, was ein „überzeugtes Zuchtfrauchen“ sein soll.

Und drittens könnte ich nebenbei mal wieder mit Lucky üben, beim Fernsehen ruhig zu bleiben, auch wenn Artgenossen über die Mattscheibe flimmern (klappt leider immer noch nicht so wahnsinnig gut).

Kann losgehen

So oder so, ich sitze auf jeden Fall pünktlich mit dem Hund vor der Glotze.

Die Sendung geht los und ich kann gleich mit Luckys Training anfangen. Der findet es nämlich gar nicht witzig, dass jede Menge Hunde so den Weg in unser Wohnzimmer finden. Er sprintet nach vorn, springt am Fernseher hoch und versucht durch Bellen und Schnappen die Eindringlinge zu vertreiben. Ich hole ihn weg, bringe ihn in sein Körbchen (hinter meinen Sessel, damit er die Hunde zwar noch hört, aber wenigstens nicht mehr sieht) und beruhige ihn. Dann bekommt er in regelmäßigen Abständen sein Abendessen. Nach einer Weile kann ich den Sessel schon wegrücken. Lucky hat verstanden, dass er immer was zu fressen bekommt, wenn er ruhig bleibt und „das Maul hält“. Dreimal allerdings gelingt es ihm nicht, sich unter Kontrolle zu halten. Jedes Mal ist dann der apricot-farbene Großpudel zu sehen. Da soll mir noch mal einer sagen, Hunde könnten keine Farben unterscheiden.

Um es kurz zu machen: Diese Trainingseinheit ist das Beste an der ganzen Sendung.

Den Rest kann man eigentlich vergessen und es fällt mir jetzt, so kurz nach der Ausstrahlung schon schwer, mich überhaupt an Nennenswertes zu erinnern.

Darum geht’s:

Im Mittelpunkt des Formats stehen jeweils zwei Hundehalter mit ihren Tieren. Und damit das Ganze noch mehr „Spaß“ macht, werden natürlich Menschen ausgesucht, die im Umgang mit ihren Tieren möglichst unterschiedlich sind.

In der heutigen Folge handelt es sich zum einen um eine Kriminalbeamtin, die mit ihren Pudeln (Könige und Zwerge) allein lebt. Die Hunde sind gut erzogen (das ist ihrer Besitzerin am wichtigsten), bekommen bestes Futter (Frauchen barft), sind gut beschäftigt (einer ist ausgebildeter Rettungshund) und teilen das Leben mit der Polizistin (sie dürfen sogar auf der leeren Hälftet des Doppelbettes schlafen). Klar, besonders letzter Punkt dürfte bei manchen Menschen (besonders denjenigen ohne Hund) etwas skurril wirken. Aber sie weiß wirklich, was sie macht und warum. Sie züchtet innerhalb des VDH, sie ist die Expertin in dieser Sendung.

Auf der anderen Seite steht eine Familie, die aus einem Lehrer, einer Hausfrau, fünf Kindern und zwei Hunden (ein Golden Retriever und noch irgendwas ganz Kleines) besteht. Erzogen sind diese beiden Exemplare nicht besonders gut, vor allem das Gassi-Gehen funktioniert kaum. Die Hunde bekommen Trockenfutter (möglichst billig), werden kaum beschäftigt (nicht mal regelmäßige Spaziergänge) und sollen sich in erster Linie der Familie anpassen (wobei der kleine Hund in jeden Raum darf, während der große sehr beschränkt wird).

Einmal wird es doch lustig, als der Herr Lehrer doziert, dass er durch dieses Trockenfutter versuche, den Hund zu domestizieren (Hä?). Fleisch bringe diverse Stoffe in den Körper, die (ich überspitze das jetzt mal) den Hund wieder zur wilden Bestie machten. Spätestens hier wird deutlich, dass das die Familie ist, die zwar glaubt, alles zu wissen, in Wirklichkeit aber keine Ahnung hat.

Und dann geht es in der Sendung hin und her. Mal wird was von den einen gezeigt, mal von der anderen. Zwischenrein geschnitten sind Kommentare von diversen Menschen, die ebenfalls Hundebesitzer sind und ihren jeweiligen Senf zu dem Gesehenen geben.

Das nervt mich extrem. Ich brauche niemanden, der mir erklärt, dass der wie verrückt an der Leine ziehende Einstein (so heißt der Golden Retriever) nicht erzogen ist. DAS SEHE ICH!

Experten, die mir helfen, einen Sachverhalt einzuordnen, brauche ich bei politischen, bei wirtschaftlichen, bei ökologischen, medizinischen oder sonstigen Themen, die komplex sind und sich außerhalb meines Alltagsverständnisses bewegen.

Ich brauch das nicht im Trash-TV. So weit denken kann ich noch.

Und wenn schon Experten, dann bitte Experten und keine Hundekeksbäckerin (?!?), die nebenbei (?!?) als Radiologin (?!?) arbeitet.

Am Ende wird es dann so richtig blöd. Es gibt ein Treffen der Hundebesitzer mit ihren Hunden, bei dem sie die Gelegenheit haben, sich die Meinung zu sagen (als hätte ich es geahnt…).

Nach einer Stunde frage ich mich, was das nun eigentlich war, was ich mir da angetan habe.

Das braucht kein Mensch

Ich kann VOX ja erstmal verstehen. Ist doch okay, dass der Sender versucht, auf dem Rütter-Sendeplatz irgendwas mit Hunden zu platzieren. Wahrscheinlich in der Hoffnung auf ähnlichen Erfolg, wie mit dem quotenstarken „Hundeprofi“. Aber sind Hunde wirklich ein so starkes Zuschauermagnet, dass der Rest völlig egal ist? Sind Hundebesitzer so leicht zu kriegen? Das kann und will ich mir gar nicht vorstellen. Und mehr will und kann ich auch nicht mehr über diese vergeudete Stunde meines Lebens schreiben.

Mein Fazit: Dieses Format soll wohl irgendwie Infotainment sein. Nur wurde leider die Info vergessen und unterhalten wird auf ziemlich niedrigem Niveau.
Deshalb ist es auch ziemlich egal, ob es um Pudel oder andere Hunde geht. Diese Sendung kann man sich sparen.

Samstag, 19:10 Uhr: Beste Zeit, mit dem Hund Gassi zu gehen – zumindest, bis der Hundeprofi wieder kommt.

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